Sinntalbahn – Anhörungsverfahren abgeschlossen

Wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde, hat die Regierung von Unterfranken das Anhörungsverfahren betreffend der Sinntalbahn abgeschlossen und sich in ihrer abschließenden Stellungnahme für den vollständige Rückbau der Schieneninfrastruktur zwischen Jossa und Wildflecken ausgesprochen [1].

Eine Entscheidung die zwar förmlich die Bedeutung einer solchen weitgehend intakten Strecke für den ländlichen Raum berücksichtigt, aber dennoch in Kauf nimmt, dass mit einem solchen Rückbau eine langfristige Schädigung unserer Region einhergeht.

Es wird angeführt, dass derzeit keine ausreichende Nutzung der Strecke geplant und/oder durchführbar sei, was ausschließlich den Zeitraum heute plus ein paar Jahre berücksichtigt. Wie so oft wurde hier auch seitens der Regierung von Unterfranken viel zu kurzfristig gedacht und zukünftige Entwicklungen ausser Acht gelassen.

Mit dem Rückbau an sich ist zwar theoretisch eine Wiederbenutzung als Bahnstrecke nicht ausgeschlossen, da hierfür eine Entwidmung notwendig ist, de facto kommt dies aber einer Entwidmung gleich, da für eine Wiedererichtung der Infrastruktur so imense Kosten entstehen würden, dass wohl alleine dies schon als Begründung für eine endgültige Entwidmung ausreichen würde.

Sollte das Eisenbahnbundesamt, bei dem die Entscheidung nun liegt, der Forderung der Regierung von Unterfranken folgen, so wäre also der Weg frei für die Planungen des Landkreises und der Gemeinden, auf der Trasse (oder vielmehr auf einzelnen Teilstücken dieser) einen Radweg zu bauen. Die zu erwartenden Kosten hierfür dürften den Betrag der für eine zügige Reaktivierung der Strecke notwendig gewesen wäre, um ein vielfaches überschreiten. Alleine für den Kauf des Bahnhofsgeländes in Bad Brückenau wurden 2009 800.000,00 € eingeplant [2]. Ein Betrag mit dem die Reaktivierung bequem finanziert wäre.

Eine Gegenüberstellung der Kosten Reaktivierung vs. Rückbau/Radweg wurde leider nie ernsthaft an die Öffentlichkeit transportiert.

Wie die Gesamtkosten (Rückbau, Umbau, Grundstückskäufe, etc.), die man durchaus auf einen siebenstelligen Betrag schätzen kann, mit der klammen Haushaltslage von Landkreis und Gemeinden in Einklang zu bringen sein sollen, erschließt sich mir bisher nicht.

Der Rückbau der Infrastruktur würde für den bayerischen Teil der Rhön langfristig verheerende Folgen bedeuten. Während die hessische Rhön über Gersfeld direkt mit dem bundesweiten Schienennetz verbunden ist [3], bleibt der Zugang zur bayerischen Rhön weiterhin nur den Autofahrern vorbehalten.

Für Bad Brückenau als Tourismusziel und vor allen Dingen als Kurort in Konkurrenz zu Bad Kissingen, Bad Bocklet und Bad Neustadt bedeutet der Rückbau eine Festigung des Status Quo als schlecht erreichbares Ziel.

Während Kur-, Reha- und Wellnessgäste mit der Bahn direkt nach Bad Kissingen oder Bad Neustadt anreisen können, bleibt Besuchern des Brückenauer Staatsbades nur die recht unattraktive Anbindung über den Bus oder das Taxi. Und die Busanbindung ist ja auch nicht gerade umwerfend gut ausgestaltet.

Man könnte noch die bequeme Anbindung mit dem E-Bike in den Raum werfen, aber das wäre sogar für meine Verhältnisse zuviel Sarkasmus.

Wo würden Sie eher Ihren Urlaub planen?
Wo würden Sie eher erwägen ein Haus zu kaufen?

Ich hoffe inständig, dass das Eisenbahnbundesamt die Angelegenheit nicht einfach nur schnell vom Tisch arbeitet, befürchte jedoch, dass eben dieses geschehen wird. Dann ist für die bayerische Rhön der Zug im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren. Allerdings nicht nur der auf den Gleisen.

[1] http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/inhalt/sinntalbahn-wildflecken-jossa-100.html
[2] http://www.sinntalbahn.de/downloads/sinntalkurier-nr_021.pdf
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Fulda%E2%80%93Gersfeld

 

/Edit, 22.12.2014: Ich habe nun die Info bekommen, dass der Streckenabschnitt auf hessischem Boden seitens des RMV (Rhein-Mai-Verkehrsverbund) im Regionalen Nahverkehrsplan als “zu sichern” eingeplant ist.

2 Gedanken zu „Sinntalbahn – Anhörungsverfahren abgeschlossen

  1. edenhofner Karl

    Es ist immer wieder das gleiche, einige wenige Beamte wollen einfach über die Zukunft einer Region entscheiden. Die haben Auto bezw. Dienstkarossen, doch wie Rentner und alte Leute mobil bleiben können, interessiert sie nicht. Die Bahn ist nachwievor das umweltfreudlichste Verkehrsmittel. Warum die Geleise abbauen für einen Radweg? wenns schon sein muß, einfach aufschottern und wenn diese Beamten irgendwann zur Vernuft kommen, wird der Schotter einfach entfernt und man hat diese Region vor einen großen Schaden bewahrt. Irgendwann begreift es auch der Dümmste, dass die Bahn wieder gebraucht wird.

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