Alltagsrassismus und pauschale Vorverurteilung

Immer wieder mal muss ich erleben, wie von manchen Leuten in Bad Brückenau über Flüchtlinge gesprochen wird. Die Aussagen sind hier nicht anders als in anderen Regionen in Deutschland. Da werden Theorien gesponnen, dass die Flüchtlinge ja kriminell sein müssen, sonst könnten die sich doch das Smartphone oder die Markenjacke gar nicht leisten. Da wird sich darüber beschwert, dass die überall nur herumlungern, anstatt was zu arbeiten. Und sowieso sind die meisten ja nur Wirtschaftsflüchtlinge oder Muslime die den Krieg zu uns tragen wollen. Bezeichnung wie “das Pack” sind nicht selten und auch die Aufforderung die sollen alle wieder abhauen habe ich schon mehr als einmal gehört.

1. Smartphones gibt es nicht nur in Deutschland. In weiten Teilen der Welt existiert ein Mobilfunknetz. In den meisten Ländern der zweiten und dritten Welt hat das Smartphone eine ganz andere Bedeutung als bei uns. Oft wurden dort Gebiete die keinen Telekommunikationsanschluss besaßen direkt mit Mobilfunk erschlossen anstatt erst Telefonleitungen dorthin zu verlegen. Dadurch wurde das Handy dort das, was das Festnetztelefon noch vor 20 Jahren in Deutschland war. Ein notwendiger und ziemlich normaler Bestandteil eines Haushalts. Später wurde das Smartphone in diesen Ländern das was der heimische PC bei uns ist (und bei uns wird der ja auch zunehmend durch Tablets und Handys mit immer größeren Displays abgelöst). Und wenn ich mir ein Smartphone kaufe schmeisse ich das doch nicht weg, nur weil ich aus meiner Heimat flüchte. Ich nehm es mit, besorge mir im Zielland eine Simkarte und nutze es weiter. Ist irgendwie logisch, oder?

2. Auf der einen Seite beschwert man sich über Wirtschaftsflüchtlinge die uns ja nur auf der Tasche liegen, gleichzeitig beschwert man sich über Flüchtlinge die Geld ausgeben. Wie beschränkt muss man eigentlich sein um es nicht in Erwägung zu ziehen, dass Menschen die politisch oder religiös verfolgt werden oder sich vor einem Krieg in Sicherheit bringen wollen, auch selber Geld haben könnten? Geld das sie natürlich aus ihrer Heimat mitnehmen. Der größte Teil der Flüchtlinge dürfte zwar (spätestens nach Abzug der Fluchtkosten) ein Vermögen besitzen das für einen Deutschen lächerlich klein erscheint, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Auch Menschen die wir wirtschaftlich dem Mittelstand zuordnen würden können verfolgt oder bedroht werden. Und wenn die Geld mitbringen und das dann auch noch hier im ortsansässigen Einzelhandel ausgeben, dann bin ich doch froh drüber. Genauso wie ich froh drüber bin, wenn irgendein superreicher Promi mit seinem Geld um sich wirft und für sonstwas ausgibt. Damit wird es in den Kreislauf gebracht und davon profitiert doch am Ende jeder. Wer sein Geld nicht ausgibt und Unmengen irgendwo im Ausland bunkert (sogenannte “Steuerflüchtlinge”), der schadet uns. Nicht der der sein Geld ausgibt. Und dann gibt es noch die Flüchtlinge die die Klamotten die sie tragen aus Kleiderspenden haben. Man stelle sich vor: Auch in solchen Kleiderspenden finden sich immer mal wieder guterhaltene Markenklamotten. Sollen wir diese Klamotten verbrennen nur weil FILA oder Adidas draufsteht?

3. Viele Flüchtlinge lungern irgendwo herum. Stimmt. Viele Flüchtlinge arbeiten nicht. Stimmt auch. Die meisten Flüchtlinge die in den Gemeinschaftsunterkünften wohnen sind noch im Asylverfahren (Ihr Antrag ist also noch nicht, oder wird gerade erst bearbeitet) und dürfen deshalb gar nicht arbeiten, denn der Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland berechtigt noch lange nicht dazu eine Arbeit aufzunehmen. Und die die eine Arbeitserlaubnis haben dürfen von potentiellen Arbeitgebern nur dann eingestellt werden, wenn sich für die Stelle kein ausreichend qualifizierter Bundesbürger oder EU-Bürger finden lässt. Das nennt sich “Vorrangprüfung”. Wenn ich nicht arbeiten darf bin ich beschäftigungslos. Wenn ich beschäftigungslos bin, versuche ich den Tag irgendwie rumzukriegen. Arbeitssuche macht hier wenig Sinn, denn ich darf ja gar nicht arbeiten. Also weiss ich nichts zu tun und halte mich irgendwo untätig auf. Das ist genau das, was der Duden unter dem Wort “Herumlungern” versteht.

4. Wer sich mal ein Bild über die Geschichte eben dieser Gebiete macht aus denen im Moment die meisten Flüchtlinge kommen, wird feststellen, dass die westliche Welt (ja… da gehören wir leider dazu) den Krieg in diesen Länder mitverursacht hat und daher für die Flüchtlingsproblematik in großem Maße mitverantwortlich ist. Man kann darüber streiten, ob die Bundesrepublik Deutschland, die USA, Frankreich, Großbritannien oder irgendein anderes Land die Hauptschuld trägt, aber das rechtfertigt doch in keinster Weise den Hass oder die Ablehnung gegenüber den Menschen die dann dort abhauen!
Wir können uns natürlich auch nie zu hundert Prozent sicher sein, ob da nicht irgendwo auch mal irgendein IS-Kämpfer mit dabei ist, aber deshalb all diesen Menschen pauschal negativ gegenüberzutreten und sich irgendwelchen hirnamputierten Arschkrampen anzuschließen die vorgeben unsere Kultur verteidigen zu wollen indem sie Flüchtlingsunterkünfte anzünden, Menschenleben gefährden und ganz nebenbei dadurch die Kosten für den Steuerzahler auch noch in die Höhe treiben, kann doch nicht ernsthaft irgendeine Alternative darstellen!
Und nur weil da auch junge, ledige Männer die ihre Religion offen leben unter den Flüchtlingen sind bedeutet das noch lange nicht automatisch, dass das ein IS-Kämpfer ist der allen Europäern die Gurgel aufschlitzen will. Ich bin selber ein junger, lediger Mann der mit Religion eher nichts am Hut hat. Deshalb steche ich doch auch nicht jeden religiösen Menschen ab der mir über den Weg läuft.

Der einzige Unterschied zwischen diesen jungen Männern und mir ist doch erstmal nur, dass ich in Deutschland geboren wurde und hier aufgewachsen bin. Ist es gerecht, wenn ich deshalb in der Gesellschaft ein Akzeptanzprivileg genieße? Sollte hier nicht eher ausschlaggebend sein, wie ich mich gegenüber dir und anderen verhalte? Sollten nicht eher meine Taten ausschlaggebend sein? Sollte hier wirklich der Geburtsort der primäre Faktor sein, an dem man gemessen wird?
Wo bist du geboren worden? In Bad Brückenau oder Fulda? In Würzburg, Köln, München oder Berlin? Noch vor 150 Jahren hat das einen großen Unterschied gemacht, aber heute nennst du dich einen “echten Deutschen”!

Beruf, Familie und andere Verpflichtungen lassen häufig nur wenig Zeit um sich über alle Fragen die einem im Leben begegnen ausführlich zu informieren. Ich kann daher verstehen, dass viele Menschen mit der derzeitigen Situation in gewisser Hinsicht überfordert sind und dadurch zum Teil auch Ängste entstehen. Das darf aber niemals als Ausrede dafür dienen, jeden populistischen Mist der am Stammtisch erzählt wird oder in der BILD steht, einfach so zu glauben und weiterzuverbreiten oder Leuten zu folgen die vermeintlich einfache Lösungen für alle – meist komplexen – Probleme in unserem Land haben!

Ich persönlich will mit Personen die einseitiges, rechtslastiges Gedankengut und Vorurteile verbreiten, ohne sich überhaupt einmal damit zu beschäftigen worüber sie reden, nichts zu tun haben. Ein Laden in Bad Brückenau, in dem ich gestern Abend erleben durfte, wie man über das Thema denkt, wird mich daher auch bis auf Weiteres zum letzten Mal als Kunden gesehen haben.

Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass es in Bad Brückenau auch sehr viele Menschen gibt, die nicht so denken und keine pauschalen Vorurteile gegenüber Flüchtlingen haben. Menschen die ehrenamtlich Deutschkurse geben, Fahrdienste erledigen oder sich anderweitig engagieren. Diesen Leuten möchte ich meinen Dank aussprechen. Ohne sie wäre unser Land, unsere Stadt, unsere Gemeinschaft und unsere Kultur um Vieles ärmer. Sie schultern eine schwere Last, die sicher leichter wäre, gäbe es nicht so viel Neid, Ablehnung und Hass in diesem Land.

Um Mauern aus Steinen und Stacheldraht einreisen zu können, müssen wir erst das Brett vor einigen Köpfen durchbrechen!

Ein Gedanke zu „Alltagsrassismus und pauschale Vorverurteilung

  1. J. H.

    oh wildenauer, du kannst dich ja so leicht reden mit einem papa der als arzt quasi geld scheißen tut. und vor allem wenn man aus solch wohlbehüteten verhältnissen kommt wie du und immer alles schön in den arsch geblasen bekommen hat. du realitätsfremde arschkrampe kennst das leben doch nur von den schönen seiten her.
    zu 1. klar die armen armen asylanten bringen ihre smartphones aus ihren jeweiligen ländern mit nach deutschland. ganz klar. wem willst du diesen schwachsinn eigentlich weißmachen? das ist typisch saudummes welt-und realitätsfremdes politikergelabere. dummschwätzerei kann man es auch nennen.
    zu 2. klar die kleiderkammern haben markenkleidung im sortiment. logisch. wieder saudummes welt-und realitätsfremdes politikergelabere. schon mal in ner kleiderkammer gewesen?
    warum tragen dann alle diese sogenanten asylanten durch die reihe durch markenklamotten? alle so im gleichen stil. ja klar weil die kleiderkammern das im sortiment haben und hergeben. oh wildenauer was bist du denn für ein dummschwätzer?
    geh in die reale welt, schau dich dort um, lerne die realität kennen und dann machs maul auf und berichte aus deinen erfahrungen. erst dann wenn du die realität kennengelernt hast kannst du mitreden. aber um gottes willen, ein herr wildenauer kann sich doch nicht unter den normalen pöbel begeben. darüber steht man doch als sohn eines arztes. nur mit dem maul groß sein aber alles nur immer schön theoretisch wissen nichts reales nicht kennen.
    zu 3. das herumlungern bezieht sich vielleicht auch auf das auspähen wie man am besten ladendiebstähle begehen kann. schon mal darüber nachgedacht? ist ja schon im größeren stil in der gegend und umgebung vorgekommen. war ja groß in der presse veröffentlicht worden. aber man darf ja nichts sagen sonst ist man gleich der rassist faschist nazi oder sonstwas. oder wollen sie das vielleicht leugnen daß die damen und herren asylanten schon desöfteren gestohlen haben. ist mittlerweile deutschlandweit so. nur soll das nicht an die große glocke gehängt werden damit die fremdenfeindlichkeit nicht noch größer wird. es ist mittlerweile sogar bekannt daß wenn asylanten beim klauen erwischt wurden, die jeweiligen landratsämter die strafen zahlen und die strafverfolgungsbehörden keine strafanträge bearbeiten bzw. verfahren einstellen.
    jammer du nur nicht rum wenn dir mal einer der lieben asylanten ein messer an die kehle hält oder dich zusammenschlägt. dann mußt du noch brav danke sagen. und auf gar keinen fall polizei rufen.
    also wildenauer, nochmal mein rat. erst mal die realität kennenlernen und dann mitreden. und vor allem auch mal die leute direkt ansprechen warum sie so denken und reden wie sie denken und reden. einfach mal die hintergründe erfragen und erfahren. ich jedenfalls rede nicht pauschalisiert daher um die asylanten schlecht zu machen. mein mitgefühl und größtes verständnis gilt den flüchtlingen und asylanten die wirklich hilfe benötigen und die wirklich vor krieg geflüchtet sind. die sozialschmarotzer und wirtschaftsflüchtlinge allerdings nehme ich davon aus.
    achja und herr wildenauer, nochwas zu ihrer realitätsfremde. immer erst die steuergelder des deutschen steuerzahlers fürs ausland und auslänische belange verwenden. richtig? im eigenen land vor allem in deutschland gibt es ja kein elend keine not kein leid und vor allem keine armut. richtig???
    wir haben ja keine obdachlosen die froh wären wenn sie ein dach über dem kopf hätten, auch wenn es nur ein abbruchreifes haus wäre. aber wir haben millionen um unterkünfte für asylanten zu bauen. wir haben keine kinderarmut in deutschland. nein ganz und gar nicht. wir haben unsummen um für die armen armen asylantenkinder gelder rauszuschmeissen um uns dann irgendwann von denen anhören zu müssen “scheiß deutsche und scheiß deutschland”. wir haben auch gar keine armut unter den senioren. richtig. nein, denen geht es doch allen gut. die schauen aus reiner neugier und zu ihrem vergnügen in mülltonnen nach pfandflaschen oder arbeiten zu ihrem vergnügen bis ins sehr hohe alter oder bis zu ihrem tod. richtig? oh herr wildenauer, nochmals. erst mal volkes stimme hören, vor allem anhören und dann mitreden und handeln. aber eines gilt immer. erst mal im eigenen volk handeln und helfen und besser machen und richten. dann kann man gerne dem rest der wirklich hilfe benötigt helfen.

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