Die Sache mit dem Nationalpark

Der 3. bayerische Nationalpark in der Rhön ist bei uns ja gerade ein großes Thema das auch extrem polarisiert. Lange Zeit habe ich mich mit einer Aussage bezüglich Pro oder Contra zurückgehalten, aber ich denke, ich habe mir mittlerweile meine Meinung darüber gebildet.

Ich bin gegen den Nationalpark in der Rhön.

Nun zu dem „Warum“:

Als ich zum ersten Mal von der Idee in unserer schönen Rhön einen Nationalpark einzurichten hörte, war ich eigentlich recht angetan von dem Gedanken. Immerhin haben wir hier eine Landschaft die doch relativ einzigartig ist und einigen bedrohten Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet.
Aber das Prozedere stellte mich vor einige Fragen, je länger ich darüber nachdachte.

Das Ziel der bayerischen Staatsregierung ist es, einen dritten Nationalpark einzurichten. Das war die Order die für den ganzen Ablauf gegeben wurde, woraufhin man sich auf die Suche nach dem besten Standort machte.
Es wurde nicht gesagt, dass da in der Rhön eine Naturlandschaft existiert die so schützenswert sei, dass man da jetzt einen Nationalpark draus machen möchte, sondern die Rhön wurde anhand von vorgegebenen Kriterien in die zu beurteilenden Gebiete mit aufgenommen. Damit zäumt man das Pferd aber doch von der falschen Seite auf.

Schwarzes_Moor_Moorauge

Das Schwarze Moor in der bayerischen Rhön ( Photo taken by Gabriele Delhey, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2649089 )

Es ging nicht darum, eine schützenswerte Landschaft in einen Nationalpark umzuwandeln, sondern darum, dass man noch einen Nationalpark haben möchte. Dieses Vorgehen erscheint mir bei der Suche nach Flächen für ein neues Gewerbe- oder Wohngebiet sinnvoll, aber doch nicht für einen Nationalpark.

Dann ist da der insgesamt gesehen ziemlich sportliche Zeitplan.
Noch bis zum Ende diesen Jahres soll – de facto – die Suche nach der richtigen Gegend abgeschlossen sein. Dann soll erst der eigentliche Dialog mit dem Bürger starten.

Auch hier kommt mir die Reihenfolge etwas verkehrt herum vor. Ich gehe davon aus, dass der dann startende Dialog eher eine Alibiveranstaltung wird, die möglichst schnell durchgezogen wird. Denn niemand aus der Staatsregierung wird es sich leisten wollen, dass die Diskussion über den Nationalpark bis in den Wahlkampf für die Landtagswahl im kommenden Jahr nachwirkt.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen einen Nationalpark oder eine Ausdehnung des Umwelt- und Naturschutzes in der Rhön. Im Gegenteil stehe ich Regelungen zum Schutz der Natur eigentlich ziemlich offen gegenüber. Aber es darf kein Nationalpark nur um des Nationalparks Willen ausgewiesen werden – wie das die Staatsregierung tun will – sondern weil eine Gegend dafür gut geeignet scheint.

Und einen Nationalpark gegen den Willen der Bevölkerung darf es schon einmal gar nicht geben.

Wir haben in Bayern das Mittel des Volksentscheides. Wenn die regierende CSU also unbedingt einen Nationalpark in der Rhön haben möchte, dann soll sie die Bevölkerung mittels Volksentscheid fragen und keinen Alibi-Dialog führen!

5 Gedanken zu „Die Sache mit dem Nationalpark

  1. ANDREAS SCHUBERT

    Sehr geehrter Herr Wildenauer,
    Die Rhön ist m.E. sehr gut als Nationalpark geeignet. Das alleine geht schon aus der Tatsache hervor, dass die Rhön – im Gegensatz zum Spessart oder Steigerwald zu den „Hotspots der Biodiversität“ geführt wird. https://biologischevielfalt.bfn.de/hotspots_karte.html.

    Ich gebe Ihnen dahingehend Recht, dass das Verfahren der Staatsregierung durchaus hätte professioneller ablaufen können, aber dies als Grund für eine Ablehnung eine NP anzuführen, halte ich nicht für gerechtfertigt. Denn dann würde man die Rhön bestrafen, die ja nichts für den Verfahrensablauf kann. Ebenso ist es kein NP „gegen die Bürger“. Im Moment kommt der Widerstand von Seiten der Landwirtschaft, deren Verband gegen jeden Nationalpark vorgeht, egal wo dieser geplant ist. Es ist also keine fehlende Eignung der Rhön, sondern die generelle Verweigerungshaltung des BBV, der hier zum Tragen kommt. Die Mitglieder des BBV werden durch gezielte Falschinformationen instrumentalisiert.
    Im direkten Gespräch merkt man aber schnell – die Bürger sehen einen NP positiv, wünschen sich aber mehr Informationen (obwohl es die ja bereits gibt http://www.pronationalparkrhoen.de). Doch dazu dienen ja auch die Bürgerversammlungen, die vor allem bereits im Landkreis RG abgehalten werden.

    Leider findet sich in Ihrer Begründung kein sachbezogenes Argument, dass gegen einen NP sprechen würde, sprich also die Nennung eine konkreten Verschlechterung für die Region durch die Ausweisung eines NP.
    Die Kombination des Biosphärenreservates (Schutz der Kulturlandschaft) mit einem Nationalpark (Schutz seltener Waldökosysteme), möglicherweise mit einem Waldtherapiezentrum (siehe Antrag Bad Bocklet) und vielleicht auch noch dem Weltkulturerbestatus der Staatsbäder – diese Kombination würde die bayerischen Rhön zu zu einer absoluten Top-Adresse in puncto naturnaher Gesundheitstourismus machen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Andreas Schubert / Dipl. Ing. für Fortwirtschaft

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    1. Benjamin Wildenauer Artikelautor

      Sehr geehrter Herr Schubert,

      vielen Dank für Ihren umfangreichen Kommentar und die Schilderung Ihrer Ansichten.
      Es stimmt, dass ich kein sachbezogenes Argument genannt habe. Das habe ich mit voller Absicht nicht getan, da ich entgegen manch anderer Politiker keine Aussagen zu Themen mache, bei denen ich glaube, keine ausreichende Expertise vorweisen zu können. Auch aus diesem Grund habe ich mich lange überhaupt mit einer Äusserung zurückgehalten.
      Gerade deshalb sehe ich das zeitliche und organisatorische Vorgehen als extrem problematisch an. Denn in diesem Vorgehen bleibt meines Erachtens nach nicht genügend Raum für eine ausreichende inhaltliche Auseinandersetzung, wodurch eine starre Zwei-Fronten-Situation klar begünstigt wird.
      Das Verfahren muss meiner Meinung nach deutlich mehr Zeit geben, damit die beteiligten Seiten gründlich über Ihre Argumente informieren können und einhergehend damit auch ein gewisser Wissenstransfer in die allgemeine Bevölkerung stattfinden kann. Am Ende dieses Prozesses könnte dann ein Volksentscheid stehen.
      Hierfür benötigte es allerdings meines Erachtens eines komplett neuen Anlaufes. Eine Anpassung des vorgesehenen Verfahrens erscheint mir zum jetzigen Zeitpunkt bereits nicht mehr möglich.
      Gerne stehe ich – falls Interesse besteht – auch für einen persönlichen Termin in der Sache zur Verfügung. Dies gilt natürlich für beide „Seiten“.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Benjamin Wildenauer

      Antworten
      1. Andreas Schubert

        Sehr geehrter Herr Wildenauer,
        vielen Dank für Ihre Antwort. Ihre Auffassung teile ich allerdings nicht. Wegen eines „Fehler im Verfahren“ – so möchte ich es einmal nennen, einen solche Chance nur aus diesem Grund abzulehnen, halte ich für nicht zu verantworten. Zumal ja durchaus Gelegenheit bestand, sich in Sachfragen kundig zu machen, spätestens seit der Antwortenkatalog des Ministeriums vorlag, wusste jeder, was „auf die Region zukommt“. Hier hätte Gelegenheit bestanden, unklare Sachverhalte gezielt anzusprechen. Gerade von Persönlichkeiten der öffentlichen Lebens hätte ich diese aktive Suche nach Informationen und Antworten erwartet. Ich gebe zu, dass mir auf Grund meines Berufs die Einordnung des einen oder anderen Sachverhaltes mit forstwirtschaflichen Bezug leichter fällt. Studien z.B. über die touristischen Wertschöpfung durch die Marke „Nationalpark“ standen aber schon immer zur Information bereit. Insofern finde ich Ihren Standpunkt sehr schade für unsere Rhön.

        Mit freundlichen Grüßen

        Andreas Schubert

        Antworten
  2. Roland Lenhart

    Sehr geehrter Herr Wildenauer,
    vielleicht kann ich Sie umstimmen.
    Wenn man bei Ihrer Argumentation in erster Linie an den Steigerwald denkt, gebe ich Ihnen Recht.
    ABER: Eigentlich müssten im Steigerwald UND im Spessart UND in der Rhön Nationalparke ausgewiesen werden. Deutschland -dazu gehört glaube ich auch Bayern- hat sich nämlich verpflichtet, 10 % der Staatswälder bis 2020 aus der Nutzung zu nehmen. Der Hauptgrund ist das wahnsinnige Artensterben auch im Wald. von diesen 10 % sind wir in Deutschland und besonders in Bayern meilenweit entfernt. In dieser Biodiversitätsstrategie stehen noch viele andere schöne Sachen. Mit der Strategie ist es aber wie mit dem Klimaabkommen: Viel Papier aber keiner tut was. In der Hinsicht ist der Trump wenigstens ehrlich.
    Das mit der Rhön möchte ich vergleichen mit einer Play-Off-Runde. Wenn ich da dabei bin, möchte ich auch gewinnen. Und die Rhön hätte es auch verdient, besonders wenn man das Naturschutzgebiet Schwarze Berge einbeziehen würde. Bitte hier nicht erschrecken. In der jetzigen NSG-Verordnung steht, dass die „ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft zulässig ist. Das wäre im NP auch so. Das bedeutet, es darf gedüngt und gespritzt werden. Verboten ist es nur dort, wo es wirklich gefährlich werden kann (Wasser!). Die gleiche Regelung gibt es in anderen NP-Verordnungen auch. Das Geschrei der Bauern ist daher vollkommen unangebracht. Im Gegenteil – wenn sie höhere Anforderungen erfüllen, bekommen sie noch richtig fett Geld auf die Grundprämie, ist auch gut so. Ich hätte die Schwarzen Berge deshalb gerne drinnen, weil ich es langweilig finde, nur durch ein Wald zu schlappen. Außerdem wäre dann Brückenau näher dran.
    Daraus wird aber nichts, weil wir froh sein können, wenn die aktuellen Waldflächen des Staatsforstes, also meine und Ihre Flächen, NP werden. Ich möchte nochmal betonen: Es sind NUR STAATSFLÄCHEN!!! Alles andere wäre freiwillig.
    Zum Zeitplan. Sie haben Recht, dass die CSU auf 2018 schielt. Da aber schon 16 Verordnungen vorhanden sind, kann man sich überall das Beste heraussuchen, wäre also reine Abschreibübung. Mit diesem Entwurf würde ich dann die Arbeitsgruppen beschäftigen, die dann sozusagen den Kommentar zur Verordnung basteln (Wege, Jagd, Holz, das sind die wichtigsten Themen, die aber in den anderen NP auch schon detailliert ausgearbeitet wurden). Wenn man konzentriert und konstruktiv arbeitet, schafft man das in relativ kurzer Zeit. Wichtig wäre, dass über Alles ständig und in allen Medien informiert wird. Dann und während dessen kämen Bürgerversammlungen und Gemeinderatsbeschlüsse usw.. Volksentscheide bringen nichts, weil zu viele Leute sich nicht informieren. Das werden Sie als Stadtrat auch schon gemerkt haben.
    Zum Schluss: Selbst wenn man Null für die Natur übrig hätte müsste man aus wirtschaftlichen Gründen für den NP sein. Bei dem Aufstand, den die Bauern in Stangenroth veranstaltet haben, müsste die Ministerin schon sehr masochistisch veranlagt sein, wenn sie sich weiter für die Rhön einsetzt. Der Spessart, zumindest die Lohrer, scheinen umzudenken. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, wie hohl der Herr Kirchner daherredet, wenn die den Park bekommen.
    So, das war jetzt etwas länger als Twitter, aber man kann kein Land über Twitter regieren und erst recht keinen Nationalpark ausweisen.
    Vielen Dank fürs Lesen

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  3. Andreas Schubert

    Sehr geehrter Herr Wildenauer,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Ihre Auffassung teile ich allerdings nicht. Wegen eines „Fehler im Verfahren“ – so möchte ich es einmal nennen, einen solche Chance nur aus diesem Grund abzulehnen, halte ich für nicht zu verantworten. Zumal ja durchaus Gelegenheit bestand, sich in Sachfragen kundig zu machen, spätestens seit der Antwortenkatalog des Ministeriums vorlag, wusste jeder, was „auf die Region zukommt“. Hier hätte Gelegenheit bestanden, unklare Sachverhalte gezielt anzusprechen. Gerade von Persönlichkeiten der öffentlichen Lebens hätte ich diese aktive Suche nach Informationen und Antworten erwartet. Ich gebe zu, dass mir auf Grund meines Berufs die Einordnung des einen oder anderen Sachverhaltes mit forstwirtschaflichen Bezug leichter fällt. Studien z.B. über die touristischen Wertschöpfung durch die Marke „Nationalpark“ standen aber schon immer zur Information bereit. Insofern finde ich Ihren Standpunkt sehr schade für unsere Rhön.

    Mit freundlichen Grüßen

    Andreas Schubert

    Antworten

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