Softwareupdates und Vulkane – #Dieselgate

Der Dieselskandal tobt durch die Republik und es ist erstaunlich, welche Argumente für und gegen die Autohersteller angeführt werden.

Verschiedene Hersteller haben ein Problem mit den Abgaswerten Ihrer Modelle. Unter realen Bedingung stoßen Sie ein Vielfaches an Stickoxiden (NOx), Kohlendioxid (CO2) und/oder Feinstaubpartikeln aus, als sie das eigentlich dürften. Das wird dadurch erreicht, dass in der Motorsteuerungssoftware eine Funktion enthalten ist, die erkennt ob der Wagen gerade auf einem Prüfstand steht, oder ob er sich auf der Straße bewegt. Merkt das Auto „Oh, ich werde gerade gemessen.“ wird die Motorleistung gedrosselt, das (Automatik-)Getriebe schaltet anders oder die Abgasreinigung arbeitet stärker.

Nun ist allgemein bekannt, dass der NEFZ, der Fahrzyklus, nach dem auf einem Prüfstand sowohl der Verbrauch eines Fahrzeugs als auch eben die Abgase die das Modell ausstößt, gemessen werden, sehr weit von der realistischen Alltagssituation entfernt ist. Geschwindigkeiten von 160 km/h auf der Autobahn sind darin zum Beispiel gar nicht vorgesehen, genauso wenig wie eine Beschleunigung von 0 auf 50 in unter einer gefühlten Stunde. Was da herauskommt ist ein rein theoretischer Wert, der mit der Realität so gut wie nichts gemein hat. Aber die Messsituation ist für alle Fahrzeuge die selbe. So kann man zumindest von einem Referenzwert sprechen, der einen gewissen Vergleich verschiedener Fahrzeuge erlaubt und auf dem basierend Kraftfahrzeugsteuern und Emissionsklassen berechnet werden.

Die Hersteller haben mit dem Einsatz von „Schummelsoftware“ jedoch genau diese Vergleichsmöglichkeit zerstört. Insbesondere bei den Abgaswerten haben sie damit die Lücke zwischen theoretischem und realem Wert nochmal vergrößert.

Diesel, Schweröl, Vulkane, …

Manch einer sagt nun das sei alles nicht so schlimm, weil die Schifffahrt mit dem Verbrennen von Schweröl wesentlich mehr Schadstoffe in die Luft bläst, von Vulkanen ganz zu schweigen.

Das kann man nur leider nicht miteinander vergleichen. Vulkane brechen für gewöhnlich aus ohne vorher eine Betriebsgenehmigung beim Kraftfahrt-Bundesamt zu beantragen. Und für die Schifffahrt wurde es schlicht und ergreifend viel zu lange versäumt Grenzwerte zu definieren.

Auf die Vulkane hat man also keinen Einfluss und bei der Schifffahrt wurde gepennt, um nicht zu sagen „geschlampt“. Ohne Frage eine Sache die ebenfalls angegangen werden muss, sie hat nur leider mit der aktuellen Diskussion nicht viel zu tun.

Denn es geht nicht ausschließlich um die Frage, ob die Dieselmotoren nun soviel NOx oder ein bisschen mehr ausstoßen, sondern es geht darum, dass die Hersteller mit unsauberen Mitteln gearbeitet haben und so dem Kunden etwas verkauft haben, was sie eigentlich gar nicht anbieten. Nämlich ein Auto das unter den im NEFZ definierten Umständen soundsoviel Schadstoffe und eben nicht mehr ausstößt. Bei Porsche zum Beispiel ist das nur dann der Fall, solange man nicht auf die Idee kommt, zu lenken.

Es handelt sich hier also um nicht anderes als einen Fall von Betrug gegenüber dem Kunden.

Konsequenterweise müsste eigentlich bei jedem einzelnen Fahrzeugmodell das bereits der Verwendung einer Abschalteinrichtung oder ähnlicher illegaler Mittel überführt wurde, eine Neuabnahme inkl. neuer Abgasnorm-Einstufung durchgeführt werden. Danach dürften viele dieser Fahrzeuge gar nicht mehr zugelassen werden. Die restlichen würden in der KFZ-Steuer steigen. Der Kunde hätte nun eine Basis auf der er sein Fahrzeug beim Hersteller zurückgeben könnte. Das wiederum würde teuer – für die Hersteller – werden.

Stattdessen aber vertraut man den Herstellern, die mit einem simplen Softwareupdate alles wieder ins Lot bringen wollen. Angeblich ohne Leistungseinbußen, ohne Mehrverbrauch oder andere negative Auswirkungen auf Motorcharakteristik, Fahrleistungen oder Lebensdauer der verbauten Teile.

Wenn das mit rechten Dingen zuginge und alles stimmen würde, dann muss man sich aber die Frage stellen, warum das nicht von vornherein so gemacht wurde, sondern statt dessen Zeit und Geld in die Entwicklung von „Schummelsoftware“ gesteckt wurde. Eine plausible Erklärung hat hierzu meines Wissens nach bisher niemand geliefert.

Man kann nun darüber spekulieren, inwieweit der Einsatz von Abschalteinrichtungen einen Mehrschaden an Mensch und Umwelt angerichtet hat, aber man muss in jedem Fall festhalten: Diejenigen die das zu verantworten haben, haben keinen Fehler in gutem Glauben gemacht, sondern wissentlich gegen geltendes Recht verstoßen.

Während die Politiker der großen Koalition in anderem Kontext jedoch stets davon sprechen, es dürfe keine rechtsfreien Räume geben, scheint man in solchen Fällen eine andere Vorgehensweise zu favorisieren. Auf einem Dieselgipfel beschloss man nun, dass die von den Herstellern angebotenen Softwareupdates ausreichen. Warum man diese Software nicht gleich verwendet hat, das hat offenbar keiner gefragt.

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